Warum sich Social Media für Stars auszahlt
0

Es ist kein Geheimnis, dass Social Media die Kommunikation verändert. Weltweit setzen es Unternehmen als Werkzeug für Imageaufbau und Reputation ein. Zurückhaltender sind die Deutschen, wenn es darum geht, Social Media beim persönlichen Reputationsaufbau zu nutzen. Das ist bei Privatpersonen noch nachvollziehbar, doch verpassen Personen der Öffentlichkeit nicht Chancen, wenn sie sich Social Media entziehen? Ist Social Media nicht der neue Red Carpet? Versäumen Künstler nicht etwas, wenn sie Facebook und Twitter als Personal Branding-Plattform links liegen lassen? Ich habe mit Richard Le Cocq darüber gesprochen, warum ein Künstler oder eine Person der Öffentlichkeit Social Media nutzen sollte. Als Gründer und Geschäftsführer von Laughing Buddha, einer Agentur für Social Management & Digital Consultancy in London, betreut er Künstler aus allen Bereichen und begleitet sie auf ihrem Online-Weg.

Wenn sich ein Prominenter hinsichtlich seines Online-Profils beraten lassen möchte, welche Anforderungen hat er?

Richard: Alle Prominente und Personen des öffentlichen Lebens sind in erster Linie Individuen, das heißt, jeder kommt mit ganz eigenen Bedürfnissen und Erfahrungen zu uns. Einige sind schon recht Social Media affin und brauchen nur Tipps und Tricks, wie sie ihre Online-Präsenz verbessern können. Andere haben gar keine Vorstellung davon, wo und wie sie anfangen sollen und brauchen Starthilfe und Beratung, um sich nach einer Weile sicher genug zu fühlen, die Plattformen selbst zu nutzen. Einige Prominente sind natürlich verunsichert angesichts der vielen möglichen Netzwerke und der Fehler, die andere in der Vergangenheit mit Social Media gemacht haben. Deshalb wollen wir immer erst verstehen, welchen Bedarf und welche Motivation der Einzelne hat. Gemeinsam erarbeiten wir dann ein Online-Profil, das zu ihm passt und mit dem er sich wohl fühlt. Wenn jemand zum Beispiel gerne über sich plaudert, ist es sinnvoll, Twitter zu nutzen. Andere sind eher visuelle Typen, für die wären dann Plattformen wir Flickr oder Instagram die richtigen.

Es gibt so viele Fans, die ihren Stars auf Social Media Plattformen folgen, aber wie authentisch sind die Profile der Prominenten, ihre Tweets, ihre Posts?

Richard: Es hängt natürlich immer vom jeweiligen Kunden ab. Aber überraschend viele Künstler machen es wirklich selbst. Stephen Fry auf Twitter ist wirklich er und Zach Braff filmt seine Video-Nachrichten ebenfalls selbst. Ein smarter Künstler versteht recht schnell, dass es sich auszahlt, mit seinen Fans Kontakt zu halten und wie wertvoll diese Mund-zu-Mund-Propaganda ist. Für die meisten ist es eine neue Erfahrung, einen direkten Kommunikationskanal zu ihren Fans aufzubauen, sie schätzen auch deren direktes Feedback. Natürlich kann keiner rund um die Uhr online sein. Viele der großen internationalen Stars schaffen es rein zeitlich gar nicht, ihre Online-Profile selbst zu managen. Hier kommen dann Agenturen wie wir zum Zug. Es ist nichts dagegen einzuwenden, eine Präsenz zu haben, auch wenn sie „über ihn“ ist – also in der dritten Person gehalten ist. Jeder weiß, dass Madonna nicht rund um die Uhr vor ihrem Laptop sitzt und auf ihre Facebook Seite postet. Obwohl ihre „Online-Stimme“ anders ist, hat das Fans nicht davon abgehalten, ihre Seite auf Facebook zu „liken“.

Es hat den Anschein, dass mit Social Media Fans einen besseren Zugang zu Prominenten haben. Ist da was dran?

Richard: Absolut! Und ich bin der Meinung, dass das volle Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Vor acht Jahren gab es weder Facebook noch Twitter und die Möglichkeiten, wie ein Prominenter sich an seine Fans wenden konnte, waren beschränkt auf Interviews und über seinen Pressesprecher. Jetzt haben sie die Chance, eine „eigene“ Stimme zu haben, was unglaublich wirkungsvoll sein kann. Welche Strahlkraft das Online-Engagement von Prominenten hat, zeigen die Versuche von Unternehmen, Stars über Social Media für ihre Produkte werben zu lassen. Für diejenigen, die es verstanden haben, Social Media für sich zu nutzen, hat es sich auch wirtschaftlich gelohnt: Lady Gaga verdiente letztes Jahr 20 Millionen Pfund allein durch Twitter, gleichzeitig hat sie ihr soziales Engagement gegen Mobbing erfolgreich über ihre Social Media Kanäle vermittelt. Das wäre über die traditionellen Medien schwerer durchgedrungen.

Wie kam es eigentlich zu der starken Nachfrage an einem eigenen Online-Auftritt bei Prominenten?

Richard: Prominente sind auch nur Menschen und viele Menschen haben mittlerweile Online-Profile. Sie sind halt nur bekannter und einflussreicher – das ist alles. Für mich ist die Frage interessanter, wann Prominente erkannt haben, dass sie Social Media zu ihrem Vorteil einsetzen können. Ich denke, das hat sich erst in den letzten zwei bis drei Jahren entwickelt, ausgelöst durch Leute wie Ashton Kutcher, Stephen Fry, Präsident Obama und Oprah Winfrey, die das Medium meisterhaft beherrschen. Die Menschheit war schon immer neugierig, was die Stars so machen. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass Stars anfangen, online Kanäle für sich zu nutzen oder dass Karrieren ihren Anfang in Social Media nahmen – so wie bei Justin Bieber oder Rebecca Black. Wichtiger noch, Casting Directors fragen immer häufiger nach online Statistiken und Modefirmen bevorzugen Models, die eine große Online-Fangemeinde haben. Es geht also definitiv nicht mehr länger nur um persönliche Vorlieben, sondern es gibt ein starkes öffentliches und kommerzielles Interesse an prominenten Online-Profilen.

Wie antwortest Du einem Künstler, der fragt: „Ich bin schon bekannt, warum brauche ich noch eine Online-Präsenz“?

Richard: Die Antwort ist ganz einfach: Es ist Dein Name, es ist Deine Reputation. DU solltest darüber die Kontrolle haben. Es ist nur vernünftig und zeugt von gutem Geschäftssinn, dort mitzuspielen, wo der meiste Informationsfluss stattfindet. Letztendlich gilt, wenn die Leute über Dich online sprechen, dann solltest Du an dieser Konversation teilhaben und sie zu Deinem Vorteil nutzen.

 

Laughing Buddha Marketing Ltd.
Richard Le Cocq
Contact: +44(0)771 4247 710
http://laughingbuddhauk.com

Follow Laughing Buddha auf Facebook
Follow Richard auf Twitter 

VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 5.0/5 (1 vote cast)

Continue Reading

1

Die Fäden in der Hand behaltenFrüher war alles besser. Da gab es einen Pressesprecher, der (neben dem Management) etwas zu sagen hatte. Der durfte das auch. Die anderen im Unternehmen hielten den Mund oder kommunizierten (öffentlich) nur, wenn sie gefragt wurden.

Die Adressaten, also die Leser / Seher / Zuhörer konnten auch nur das machen: lesen, sehen oder zuhören. Punktum. Und wer sich medial äußern wollte, der schrieb einen Brief, ein Fax oder eine E-Mail. Diese Zuschriften wurden nach angemessener Zeit bewertet, beantwortet und manchmal auch veröffentlicht.

Und heute? Das WEB 2.0 macht aus jedem Hinz und Kunz einen Autor, der sich zu allem äußern kann. Dazu ist lediglich einen Computer und einen Internetzugang nötig. Und den haben (lt. Bitcom 03/2011) mittlerweile rund 51 Mio. Deutsche und sind online. Dreiviertel von ihnen zwitschern und posten eifrig in den sozialen Netzwerken. Tendenz steigend.

Das ist die neue Herausforderung in der Branche: den immer größeren Verlust der Kommunikationshoheit zu akzeptieren und sich einer neuen Öffentlichkeit zu stellen. Eine Öffentlichkeit, die den Dialog mit dem Unternehmen will … und ihn führt.

In den sozialen Medien kann jeder ein Multiplikator sein, der das Unternehmen empfiehlt oder kritisiert. Das bedeutet, dass Verbraucher als Gesprächspartner in Augenhöhe wahrgenommen und ernst genommen werden  müssen.

Im Umkehrschluss aber können die Unternehmen immer mehr ihre eigenen Informationen selbst redaktionell aufbereiten und publizieren – ohne, wie früher, in dem Maße auf die Medien angewiesen zu sein. Die Relevanz der Informationen entscheidet über den Wahrnehmungsgrad, die Akzeptanz und damit den Erfolg bei den jeweiligen Zielgruppen. So funktioniert das Social Web.

Die Kommunikation wird künftig mehr über neue Kanäle geschehen. Auch die mit Journalisten. Denn sie haben das Social Web längst für sich entdeckt, recherchieren dort und führen relevante Gespräche. Wer also nicht in der Lage ist, diese Medien zu bedienen, mit Journalisten zu twittern oder Informationen auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen bereitzustellen, bringt sich um gute Chancen selbst gefunden und wahrgenommen zu werden.

So mutiert der klassische Pressesprecher künftig zum Kommunikationsmanager, der die verschiedenen Öffentlichkeiten, die offline sowie im Web 2.0 entstehen, koordiniert: Dialoge zwischen dem Unternehmen, den Mitarbeitern, den Verbrauchern und den Kritikern.

Public Relations wird um „Social Media Relations“ (oder PR 2.0) ergänzt, die den Focus auf die Beziehungspflege zu Multiplikatoren im Netz mit Hilfe von Social Media Plattformen legt. Dazu gehört ein permanentes und gründliches Monitoring genauso wie die aktive Teilnahme am Dialog und auch manchmal die besonnene Bewältigung von Krisen. Denn durch Vernetzungsmöglichkeiten sowie die viralen Effekte im Social Web kann die Öffentlichkeit viel einfacher als zuvor Protest üben (was damals mit ein paar Leserbriefen einfach nicht möglich war).

War früher wirklich alles besser? Offen gestanden – nein. Denn wer das Instrumentarium des Social Webs beherrscht, hat heute mehr denn je beste Möglichkeiten, sein Unternehmen, seine Produkte oder seine Dienstleistungen positiv darzustellen. Und das macht den Job vielseitiger, chancenreicher und spannender denn je.

Stephan Raif
Marketing- und Kommunikationsberatung

VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 5.0/5 (1 vote cast)

Continue Reading